Die Natürliche Wirtschaftsordnung
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Chronologisch absteigend sortiert:

Wilhelm Schmülling zum Abschied

Viele Jahre lang durfte ich auf diese Seite Wilhelm Schmüllings "Kommentare" aus der HUMANEN WIRTSCHAFT übernehmen, zuletzt im Januar dieses Jahres. In der März-Ausgabe fehlte seine Kolumne, und Ende März erfuhr ich, dass er am 26.3.2017 verstorben war – für die Anhänger der Natürlichen Wirtschaftsordnung, aber auch für mich persönlich ein  großer Verlust.

Die Redaktion der HUMANEN WIRTSCHAFT bat mich um einige Abschiedsworte, die ich nachfolgend wiedergebe:

Mein Freund Willi

„Dein Freund Willi“ unterzeichnete Wilhelm Schmülling seine unzähligen Briefe an mich, und ich war stolz darauf. Wir arbeiteten ab Anfang der 1990er Jahre gemeinsam an Seiten des neuen Mediums „Bildschirmtext“ (Btx). Wilhelm Schmülling begeisterte sich für die Idee, gewährte finanzielle Unterstützung und arbeitete intensiv am Inhalt mit. Unser größter Erfolg war, dass Andreas Bangemann sich dadurch für die NWO interessierte und Schmüllings langjähriger Partner in der Redaktion der HUMANEN WIRTSCHAFT und bei der Leitung des Fördervereins Natürliche Wirtschaftsordnung wurde. Willi, wie ich ihn nennen durfte, und ich sind uns während unserer Zusammenarbeit, später an einem Internetauftritt, persönlich sehr nahegekommen, haben Gedanken weit über unsere publizistische Aufgabe hinaus ausgetauscht. Erst 2007 sind wir uns persönlich begegnet – eine wunderbare Erinnerung. Schwer vom Tod seiner Frau Johanna 2014 getroffen, griff er doch wieder in die Tasten, um seine "Kommentare" in der HUMANEN WIRTSCHAFT zu schreiben, in denen er immer messerscharfe Analysen der aktuellen Politik mit der Forderung nach der Natürlichen Wirtschaftsordnung verband. Ich durfte sie jeweils nach www.nwo.de übernehmen, was mich sehr freute. Die Nachricht von seinem Tod kam nicht ganz überraschend, traf mich dennoch sehr. Die NWO-Bewegung hat einen unermüdlichen, aber bescheidenen Mitarbeiter verloren, ich einen guten Freund. Vielen Dank, lieber Willi, für alles!

Dein Freund Anselm

Wilhelm Schmülling war 1. Vorsitzender des Fördervereins Natürliche Wirtschaftsordnung und Herausgeber der Zeitschrift HUMANE WIRTSCHAFT

"Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn: Kapitalismuskritk von rechts: Der Fall Silvio Gesell"

Der Autor dieses im Oktober 2012 erschienenen Buchs zieht seit langem gegen alles zu Felde, was mit Silvio Gesell, seiner Natürlichen Wirtschaftsordnung und ihren Anhängern zu tun hat, auch gegen Regionalwährungen und sogar Tauschringe. Er hält Vorträge und schreibt Artikel und hat nun (nach "Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik") dieses Buch verfasst.

Dieser Internetauftritt hier richtet sich an Menschen, die es gewohnt sind, selbst zu denken und nicht denken zu lassen. Anhänger Silvio Gesells der Gegenwart vertreten seine Wirtschaftslehre keineswegs unkritisch, aber in der Erkenntnis, dass durch seine Reformvorschläge sehr viele unserer heutigen Wirtschafts- und Sozialprobleme gelöst werden könnten. Gesell wäre der Erste, der einer Fortentwicklung seiner Ideen binnen hundert Jahren zustimmen würde.

Wenn Sie von dem Buch bedeutsame Erkenntnisse für sich erwarten, lesen Sie es. Tun Sie sich nur den Gefallen, er mit der Realität zu vergleichen. Lesen Sie Schriften und in Internetauftritten der auf der NWO basierenden Vereinigungen und besuchen Sie ihre Veranstaltungen. Vergleichen Sie, ob die Anschuldigungen mit der Realität übereinstimmen; es sollte nicht schwer sein. Hier Auszüge aus Kommentaren zu kritischen Kundenrezensionen bei Amazon.de:

Das sollte für sich sprechen. Eines noch: Achten Sie bei Quellenangaben darauf, ob es sich um Primär- oder Sekundärliteratur (insbesondere solche der Kritiker-Genossen) handelt. Was Silvio Gesell selbst geschrieben hat (und was nicht), können Sie selbst seinen Gesammelten Werken entnehmen, deren Version 1.0 Sie kostenlos herunterladen können. Mehr über unsere "falschen Feinde" finden Sie hier.

Lust auf neues Geld – Bericht von der Großveranstaltung in Leipzig am 9. Mai 2012

Andreas Bangemann, Redakteur der HUMANEN WIRTSCHAFT, schreibt an die NWO-Liste:

Leipzig, 9.6.2012

Liebe Freunde,

ich denke ich darf schreiben, dass das ein Datum ist, das viele Menschen in guter Erinnerung behalten werden. Es war bis zuletzt schwer einzuschätzen, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohl den Weg zu Lust auf neues Geld finden werden. Um kurz nach 11 Uhr war es absehbar: Es waren rund 2.000 (in Worten: zweitausend)  Menschen. Meines Wissens – falls es nicht stimmt, möge man mich korrigieren – die größte Veranstaltung mit unseren Schwerpunktthemen, die es in der Nachkriegszeit gegeben hat.

Das von den Veranstaltern geplante Programm war eine Abfolge kurzer (rund 20-minütiger) Vorträge, umrahmt und gefolgt von künstlerischen Einlagen: Musik, Akrobatik, Gesang und Kabarett. Alles war geboten und die einhellige Meinung derer, mit denen ich sprechen konnte, darf getrost mit Begeisterung beschrieben werden. Wildfremde Menschen fielen mir und den anderen Veranstaltern in die Arme und bedankten sich für einen unvergesslichen Tag. Womöglich wird es auch noch kritische Stimmen geben, bei mir ist bis jetzt noch keine angekommen. Die Infostände, nicht zuletzt der der HUMANEN WIRTSCHAFT, waren in den Pausen von Menschentrauben umlagert und konnten zeitweise den "Wissensdurst" in Form von Bücher- und Schriftennachfragen, kaum bewältigen.

Das Programm der Veranstaltung zwang einen bei schönstem Wetter in die große Leipziger Arena, die für das Programm entsprechend abgedunkelt wurde, und dennoch habe ich nur Stimmen von Menschen vernommen, die berichteten, dass sie den Tag als eine große Bereicherung wahrgenommen haben und er im Fluge vergangen war. Ein Ehepaar sagte: "Am Ende wollten wir gar nicht aufstehen und hätten noch stundenlang weiter einem solch kurzweiligen und informativen Programm beiwohnen können."

Für viele, die das erste Mal mit unseren Themen konfrontiert wurden, mögen die Informationshappen (kein Beitrag länger als 20 Minuten) noch nicht ausreichend erklärend gewesen sein. Zumindest, das deutet die Nachfrage nach unseren Zeitschriften und Schriften an, haben sie ausgereicht, damit die Leute mehr wissen wollen.

Am Ende wurde eine meines Erachtens großartige Idee umgesetzt:  Auf dem riesigen Platz vor der Arena wurden mit Hilfe von Zetteln an Masten die Leute dazu bewegt zu ihrem Postleitzahlengebiet zu gehen und sich dort mit Menschen zu treffen, die weiter machen wollen und eigene Initiativen und Aktivenkreise in ihren Regionen gründen wollen. Überraschenderweise sind diesem Aufruf unglaublich Viele gefolgt. Eine unüberschaubare Menschenmenge ließ den Tag mit Leuten  ausklingen, die aus ihrem Gebiet kamen und schmiedeten Zukunftspläne und vernetzten sich.

Ich will an dieser Stelle enden und allen, die nicht dabei waren, die nächste Ausgabe der HUMANEN WIRTSCHAFT  empfehlen. Dort wird es Bilder und einen Bericht geben. Auch eine professionell aufgenommene DVD der Veranstaltung wird es geben, die über die Zeitschrift bestellbar ist.

Andreas Bangemann

Ben Bernanke greift Gesell'sches Geld auf

"Viele Notenbanken sitzen zurzeit in der Liquiditätsfalle. Um endlich daraus zu entrinnen, greift das US-Fed nun auf eine alte Idee zurück: Geld, das weniger wert wird. ... Mit dieser Geldpolitik greift Bernanke eine alte Idee auf. Sie stammt von Silvio Gesell, einem sehr erfolgreichen Kaufmann deutsch-argentinischer Herkunft." (Philipp Löpfe in der Basler Zeitung, 03.02.2012) Zum vollständigen Artikel.

Zwei Buch-Neuerscheinungen

Aus der großen Zahl guter freiwirtschaftlicher Literatur, die bei unseren verschiedenen Vereinigungen erhältlich ist – beispielsweise auch im Shop der Zeitschrift HUMANE WIRTSCHAFT –, seien zwei jüngst erschienene Bücher empfohlen:

Eugen Drewermann: "Der Mammon ist schlimmer als der Teufel"

Eugen Drewermann, "ehemals katholischer deutscher Theologe, suspendierter Priester, Psychoanalytiker, Schriftsteller und ein bekannter Kirchenkritiker" (Wikipedia) wurde von den Salzburger Nachrichten (nach "Drewermann Mammon" suchen) interviewt. Der Titel spricht für sich.

Anselm Rapp

Der Prediger des guten Kapitalismus im Interview

Ich wiederhole es: Diese aktuelle Seite ist nicht als Pranger für Pater Anselm Grün angelegt oder umfunktioniert, dazu schätze ich ihn schon als Verfasser meditativer Bücher viel zu sehr. Er bringt sich aber immer wieder selbst – wenn auch mit moralisch erhobenem Zeigefinger – als Verfechter des Kapitalismus ins Gespräch, diesmal im Wortsinne in einem Rundfunkinterwiew, das am 8. August 2011 im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde.

Man kann es nachlesen oder anhören (MP3), und einen Kommentar kann ich mir ersparen.

Anselm Rapp

Eine (un)heimliche Ursachenkette

Reaktorunfälle, Gau, Supergau, Atomenergie
letztlich nicht beherrschbar

Errichtung von immer mehr AKW

Stark bevorzugte Förderung der Atomenergie
gegenüber Alternativen (kapitalintensiv!)

Immer größerer Energiebedarf

Ständiges Wirtschaftswachstum,
vor allem zwecks Bedienung der wachsenden Geldvermögen mit Zinsen

Suche nach immer mehr Zinsgewinn
bringenden Investitionsmöglichkeiten

Langfristig lawinenartiges Wachstum der Geldvermögen und Schulden,
besonders durch Zins und Zinseszins

J.Hüwe, März 2011

Neuerscheinung: "Geld und Natur in Literatur, Kunst und Musik" von Werner Onken

Werner Onken, der das unschätzbar wertvolle Archiv für Geld- und Bodenreform betreibt und über immenses Wissen über die Freiwirtschaftsbewegung seit ihrer Gründung verfügt, hat soeben ein höchst interessantes Buch herausgebracht: "Geld und Natur in Literatur, Kunst und Musik". Sachliteratur über die Natürliche Wirtschaftsordnung gibt es nicht wenige, ihre Verknüpfung mit Natur, Literatur, Kunst und Musik ist eine Rarität.

"Nach einem kurzen Blick auf den zu geringen Stellenwert der Kultur in der Gesellschaft zeigt Werner Onken in diesem Buch, wie sich zahlreiche DichterInnen, KünstlerInnen und MusikerInnen in ihren Werken auch mit den wirtschaftlichen Grundfragen unseres Daseins beschäftigt haben – mit der Rolle des Geldes in der Gesellschaft, mit dem Gegensatz zwischen Reichtum und Armut sowie mit dem Umgang mit dem Boden und den Naturressourcen.

Die hier zusammengetragenen Beispiele aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit bis hin zur jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise ergeben ein eindrucksvolles kulturgeschichtlich-ökonomisches Mosaik. Es soll kulturell kreative und interessierte Menschen ermutigen, Berührungsängste gegenüber der 'trockenen Materie' der Ökonomie einschließlich ihrer alternativen Denkansätze abzubauen, denn eine gerechte, friedliche und naturverträgliche Zukunftsgesellschaft bedarf ihrer Wegbereitung auch durch die Literatur, Kunst und Musik. Gerade für sie könnten sich darin auch Möglichkeiten einer freien, von Mäzenen, Staaten und Sponsoren unabhängigen Existenz eröffnen."

Zu beziehen im Sozialökonomie-Shop oder im Buchhandel.

Pater Anselm Grün wehrt sich

In der Bibel ist zu lesen: "Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." (Mt 6,24) Würde Pater Anselm Grün das beherzigen, könnte diese Seite sich anderen Themen widmen. Stattdessen kritisiert Grün jetzt seine Kritiker. Unter der Überschrift "Der Pater und das liebe Geld" ist neben Grüns sattsam gewohntem Lamento über seine Fehlspekulation in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 13.10.2010 zu lesen:

"Muss sich der Pater Anwürfe anhören über seine Art zu wirtschaften, spätestens seit der Krise? 'Muss ich natürlich', erzählt er, 'aber ich habe die Erfahrung gemacht: Über Geld kann man noch weniger objektiv reden als über Sexualität.' Er sehe sich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, 'manche sagen, es sei unmoralisch, sogar teuflisch, mit Geld umzugehen' – noch dazu mit Aktien. 'Die Börse aber ist schlicht ein Handelsort, nicht wie manche inzwischen meinen, ein Schimpfwort.'"

Harald Schmidt: "Ich glaube, dass viele anständige Investmentbanker und grundehrliche Makler an der Börse ihr Geld im Schweiße anderer Angesichter verdienen."

Anselm Rapp

Pater Anselm Grün: "Jesus war kein Antikapitalist"

Die aktuelle Seite war nicht dazu gedacht, sich immer wieder mit Pater Anselm Grün zu befassen. Er selbst gibt immer wieder Anlass dazu. Am 8. September 2010 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung den Artikel "Jesus war kein Antikapitalist" und zitiert damit Pater Grün. Ich habe einen Leserbrief dazu geschrieben:

Pater Anselm Grün kann es nicht lassen, sich als Verteidiger und Propagandist eines "guten Kapitalismus" zu gerieren ("Jesus war kein Antikapitalist", 9. September). Sein persönliches Armutsgelübde hindert ihn nicht, durch – wie er immer wieder selbstzufrieden berichtet – Zinseinnahmen und Spekulationen seinem Orden bedeutende Gewinne einzufahren. Auf die Idee, dass eigenleistungsloser Reichtum nicht vom Himmel fällt, sondern von Ärmsten erschuftet werden muss, scheint er nicht zu kommen. Grüns Aussage "Jesus war kein Antikapitalist" schlägt dem Fass nun aber den Boden aus. Würde Grün weniger Börsenkurse und mehr die Bibel studieren, sähe er sich schon durch das bekannte Jesuswort "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme" (Mt 19,24) einer unbiblischen Position entlarvt. Schade, Pater Grün schreibt so tiefsinnige meditative Bücher. In Sachen Kapitalismus täte es dessen Opfern und ihm selbst gut, er würde tiefer denken oder ein weiteres, diesbezügliches Schweigegelübde ablegen.

Der Leserbrief wurde am 24.09.2010 veröffentlicht (PDF).

Anselm Rapp

Insolvenzverschleppung: strafbar – es sei denn durch den Staat

Die Reihe der Betroffenen bei Insolvenzen ganzer Staaten endet nicht bei den Banken. Deren Gefahr der Insolvenz ist nach wie vor latent. Spätestens seit Ausbruch der Krise machen wir eigentlich nichts anderes, als Insolvenzverschleppung. Das galt von Anfang an für die Banken, jetzt auch für ganze Staaten. Im Geschäftsleben kommt man dafür hinter Gitter.

Der Kapitalismus stirbt und zeigt im Todeskampf sein Wesen. Das besteht im Kern im automatischen Wachstum ins Unendliche mit der Folge einer immer ungleicheren Verteilung. Eigentlich ließe sich das System, das wir alle zum Leben weiter bräuchten (der endgültige Zusammenbruch wird blutig ausgehen) mit den Prinzipien des Kapitalismus retten. Eines davon lautet: Man kann insolvent werden (früher: bankrott gehen). Für diesen Fall haben wir im Geschäftsleben eine gute Einrichtung, die sogar ein begrüßenswertes Ziel hat, nämlich die Rettung des Unternehmens: die Insolvenzverwaltung. Im Rahmen der Tätigkeit eines Insolvenzverwalters können Unternehmen – und damit wichtige Arbeitsplätze, der soziale Frieden also - gerettet werden. Das funktioniert, weil am Ende die Gläubiger auf erhebliche Teile ihrer Forderungen verzichten "müssen". Wenn sie es nicht tun, was auch vorkommt, stirbt das Unternehmen zwar, dessen Know-how aber kann weiterleben, und sei es in den Geschäften der früheren Konkurrenten. Die Gläubiger gehen trotzdem zum großen Teil leer aus. Bei Insolvenzverschleppung bemühen sich die eigentlich nicht mehr zahlungsfähigen Schuldner, die Illusion ihrer Zahlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Es werden eine Zeit lang die Löcher gestopft, hingehalten und gelogen, dass sich die Balken biegen. Im Falle der derzeitigen Krise haben die Schuldner dabei einen willfährigen Helfershelfer: die Staaten. Diese sind Einrichtungen mit Vertretern, die schon lange nicht mehr verantwortlich für die Menschen ihrer Länder handeln. Ein weiterer Teil des Wesens des sterbenden Kapitalismus tritt nämlich zutage: die Verknüpfung der Interessen der Reichen und Mächtigen mit denjenigen der "Staatsdiener" in leitender Funktion.

Meiner Einstellung ist, dass es noch nicht zu spät ist, die Situation zu retten und den Weg in eine bessere, nachhaltigere Zukunft einzuschlagen. Und das in dem wir das "kapitalistische Instrument" der Insolvenz konsequent und mit Überlegung anwenden. Ich habe das vor einiger Zeit versucht, im Hinblick auf die Banken aufzuzeigen und erlaube mir den entsprechenden Aufsatz zu verlinken:

Pleite auf Raten (PDF)

Es ist meines Erachtens die einzige Chance einigermaßen unblutig aus der Sache herauszukommen. Alles andere endet im Chaos. Und was nach einem Chaos sein wird, kann mit absoluter Sicherheit niemand vorhersagen.

Andreas Bangemann

Andreas Bangemann ist Redakteur der sehr empfohlenen Zeitschrift HUMANE WIRTSCHAFT; er gestattete freundlicherweise die Wiedergabe einer E-Mail an die Mailingliste des Seminars für freiheitliche Ordnung.

Pater Anselm kann's nicht lassen

Pater Anselm Grün, Benediktinerpater, ist als Autor spiritueller Bücher, Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, Kontemplation, Fasten etc. (Wikipedia) sehr bekannt und beliebt. In unverständlichem Gegensatz dazu steht Grüns Einstellung zu Geld. Schon im Februar 2008 schilderte er, der als Benediktinermönch Armut gelobt habe, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (siehe unten) seine Tätigkeit als Börsenspekulant zu Gunsten seines Ordens. Den veröffentlichten Leserbrief dazu (ebenfalls unten) scheint Grün nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben oder zu ignorieren.

Und er legt noch nach. In einem Interview mit der Zeitschrift Capital im Januar 2010 unter dem Titel "Der Finanzkapitalismus ist lernfähig" meint Grün: "Ich sehe keine religiöse Begründung für ein Verbot der Zinsen und Zinseszinsen." Kann ein prominenter Benediktiner seine Bibel so schlecht kennen? Ich wollte das direkt klären und habe am 2. Februar 2010 deshalb einen Brief an Pater Anselm Grün (PDF) geschrieben. Eine persönliche Antwort habe ich bisher nicht erhalten, als "Antwort" lässt sich allerdings Grüns Interview mit der Financial Times Deutschland vom 05.03.2010 mit der Überschrift "Kirchenmann als Anleger: Pater Grüns erstes Investment war eine Iran-Anleihe" interpretieren. Grüns bislang bestes Investment sei eine 12,75-Prozent-Dollar-Russland-Anleihe zum Kurs von 29 gewesen, die er nach zwei Jahren zu 170 verkauft habe. Die Frage, wer die Kursdifferenz erarbeiten musste, scheint Grüns Gewissen nicht zu belasten.

Nachtrag vom 01.05.2010: Trotz Unterstützung durch rund ein Dutzend Menschen, die Pater Grün Mitte März um Antwort an mich baten, steht diese ein Vierteljahr nach meinem Brief immer noch aus. Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Es bleibt der sehr schale Nachgeschmack, dass Pater Grün, wenn auch mit moralischen Vorbehalten, Zinsen und Spekulation gutheißt, sich diesbezüglicher Kritik aber nicht stellt. Sollte er doch noch antworten, gebe ich dies hier umgehend bekannt und entschuldige mich für den Vorwurf.

Nachtrag vom 03.06.2010: Einen bemerkenswerten Gastkommentar unter dem bemerkenswerten Titel "Schluss mit den Rücktritten" hat Pater Grün in der WELT zum Thema Vergebung, auch im wirtschaftlichen Bereich,  geschrieben. Auch dass Verantwortung [der eigenen Schuld; eigene Anm.] heiße, Fehler einzusehen, sich zu entschuldigen und daraus zu lernen. Unbedingt richtig. Nur: Ob die Finanzhaie ihre Fehler einsehen, sich für schuldig halten und daraus lernen?

Staatsgeheimnis Staatsverschuldung?

In sensationeller Offenheit blickt die bekannte ARD-Sendung Plusminus hinter das Geheimnis Staatsverschuldung: "Bei wem hat der Staat diese Schulden eigentlich?" (Video, 05:44 min.)

Wenn Doomheit wehtäte ...

Marc Faber alias Dr. Doom betet in der WELT um Schutz vor US-Wirtschaftsgurus. Gemessen am frommen Anlass gibt er sich wenig zimperlich. Als "fehlgeleiteten Harvard-Volkswirt" bezeichnet er den namentlich nicht genannten Prof. Greg Mankiw von der Harvard University, der es wagt – wie Willem Hendrik Buiter, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics, den er offenkundig noch nicht ausgemacht hat – sich angesichts der Weltwirtschaftskrise mit der Lehre Silvio Gesells zu befassen, die Faber offenkundig nicht einmal ansatzweise verstanden hat. Ein Kommentar von NWO im WWW:

Fondsmanager Marc Faber, der offensichtlich das heutige Wirtschaftssystem nicht nur verteidigt, sondern auch namhafte Wirtschaftswissenschaftler kritisiert, die nach Alternativen forschen, hat dazu nur dann ein Recht, wenn er sie sauber zitiert und dann deren Thesen widerlegt. Willem Hendrik Buiter, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics – und mit fast gleichen Argumenten Prof. Greg Mankiw von der Harvard University – will ausdrücklich nicht "Spareinlagen", sondern Bargeld mit einer Gebühr belegen, um die Nachfrage in der Realwirtschaft zu verstetigen. So schlägt jeder Vorwurf gegenüber einem "fehlgeleiteten Harvard-Volkswirt" auf Faber selbst zurück. Zitat Willem Buiter (deutsche Übersetzung in HUMANE WIRTSCHAFT, 04/2009, S. 5): "Bei diesem Vorschlag ist die wichtigste Aufgabe, den Geldhalter dazu zu bewegen, die negativen Zinsen an die Zentralbank zu bezahlen." Und zuvor: "Bargeld besteuern. Das ist Silvio Gesells Vorschlag, der von Irving Fisher unterstützt wurde und erneut in die Politik-Diskussion gebracht wurde von Marvin Goodfriend, mir selbst und Nikolaos Panigirtzoglou."

Wenn das Wirtschaftswissen eines so genannten Experten so fundiert ist wie dasjenige des Herrn Faber über Silvio Gesell und seine Lehre, wundert mich keine Finanzkrise mehr. Wer sich mit Gesell beschäftigt hat und nicht nur Vorurteile nachplappert, weiß, dass Gesell nur eines im Sinn hatte: wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit. Nicht Enteignung - ein absurder Gedanke - war sein Ziel und sein Rezept für eine florierende Wirtschaft und gegen leistungslose Einkommen zu Lasten Armer, sondern Umlaufsicherung des Bargeldes. Eine Gebühr auf Bargeld-Zurückhaltung würde die Konjunktur ankurbeln. Wer Geld übrig hat, bringt es zur Bank, vermeidet dadurch die Umlaufgebühr und erhält es anschließend zu 100 Prozent wieder zurück. Enteignung betreiben nicht die Anhänger von Gesells Idee, die kurz nach seinem Tod in Wörgl erstmals und gegenwärtig in zahlreichen Regionalwährungen erfolgreich erprobt wurde und wird, Enteignung praktizieren diejenigen, welche die Armen über Zins und Zinseszins erpressen und das "Preis des Geldes" nennen. Gesells Lehre abzulehnen ist legitim, aber nicht Behauptungen, die seine Lehre auf den Kopf stellen. Ein bisschen gesunder Menschenverstand und die Fähigkeit, mal über ausgetretene Pfade hinaus zu denken, könnte der Finanzkrise weit mehr entgegenstellen als das "Expertenwissen" der Finanzkaste, welche sie verursacht hat.

Kabarettist Schramm: Wer bekommt die Schuldzinsen?

In fast unglaublicher Deutlichkeit nennt Kabarettist Georg Schramm in einer vom ZDF ausgestrahlten Szene der Sendung "Neues aus der Anstalt" den Wahnsinn des Zinssystems beim Namen.

Zum Video (MyVideo)

Die Reichen werden noch reicher

Schon vom Dezember 2006, aber unverändert oder vermutlich  inzwischen noch aktueller ist ein Artikel der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel "Schieflage der Wohlstandsverteilung – Die Reichen werden noch reicher – Den reichsten zwei Prozent der Weltbevölkerung gehört das halbe Privat-Vermögen rund um den Erdball" von Gerd Zitzelsberger. Die nüchternen Zahlen bringen die wirtschaftliche Ungerechtigkeit auf unserer Welt auf den Punkt. Die Konsequenz, dass täglich 10 000 Kinder und 25 000 Erwachsene verhungern und viel, viel mehr unter der Armutsgrenze leben, fehlt allerdings. Und die Analyse der Ursache erst recht.

Anselm Grün meint: "Geld gefährdet die innere Freiheit" – und zieht erstaunliche Konsequenzen

Die Süddeutsche Zeitung interviewte in ihrer Reihe "Reden wir über Geld" am 08.02.2008 den Benediktinermönch und Bestsellerautor Anselm Grün unter dem Titel "Geld gefährdet die innere Freiheit". Es ist kaum fassbar, wie der sympathische und sensible Seelsorger seinem Ordensgelübde gemäß Armut praktiziert und vor den Gefahren des Reichtums warnt, sich aber andererseits, als habe er noch nie die Bibel zum Thema Zins und Ausbeutung gelesen und die – in der jüngeren Zeit allerdings gründlich "vergessene" – Haltung seiner katholischen Kirche dazu vernommen, als "erfolgreicher" Börsenspekulant mit gewaltigen Summen betätigt. Der nachfolgende Leserbrief aus der gedruckten Ausgabe vom 19.02.2008 bringt den Widerspruch hervorragend auf den Punkt:

Zocken im Kloster
Leserbrief zu Pater Anselm Grün: "Geld gefährdet die innere Freiheit" / SZ vom 8. Februar 2008

Als ein nachdenklicher Pater bringt Anselm Grün es fertig, mit viel Kreativität aus Geld mehr Geld zu machen, ohne dabei so weit nachzudenken, dass das Mehr doch immer stets von anderen Menschen erarbeitet werden muss. Was mag er nur die Manager in seinen Seminaren lehren: Wie man die Menschen dadurch achtet, dass man ihnen einen Minilohn, den man als gerecht empfinden soll, auszahlt? Wie ist es denn mit der Menschenwürde des Paters bestellt, wenn er den hohen Managerlohn auf der einen Seite und den Minilohn auf der anderen Seite als gerecht ansehen kann? Es ist mir unbegreiflich, wie ein Pater seine "Arbeit" mit der Spekulation bei zehn bis 15 Prozent Rendite in aller Freimütigkeit als Erfolg ausgeben kann. Klosterbrüder als Börsenzocker! Die katholische Kirche hat bisher den Zins noch nie anerkannt, lebt aber damit anscheinend vorzüglich, wie man aus der Beschreibung vernimmt.

In Matthias Drobinskis und Alexander Hagelükens Interview berichtet Grün von der Entlassung einer Putzfrau, weil sie geklaut hatte, und das gehe nicht – wegen der Wirkung auf die anderen. Der Gedanke, dass Grün klaut, ist ihm bei seiner Tätigkeit noch nie gekommen? Das gesetzliche Geld mit seinem Zins- und Zinseszinssystem ist kriminell und verfassungswidrig, und jeder, der die "Vorteile" der Geldmaximierung nutzt, schadet irgendwo Menschen (wie etwa in Argentinien), einem Staat, der Welt, ganz gewiss aber seinem Gewissen. Leider ist es bei Grün noch nicht so weit. Aber mir ist schleierhaft, wie er mit dieser Haltung andere Menschen belehren will.

Dietlind Rinke, Bad Karlshafen

Umlaufgesichertes Geld – Idee und Realisierung

Wie sich die Bilder gleichen:

Anselm Rapp

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