Die Natürliche Wirtschaftsordnung
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Warum gibt es so viel Armut auf der Welt?

Lieber Enkel Christopher,

eigentlich hatte ich dir ja weitere von mir geschriebene Kurzgeschichten versprochen, aber ich habe nichts richtig Passendes gefunden. Stattdessen schreibe ich nun eine „Geschichte“ speziell für dich. Sie handelt von Recht und Unrecht auf dieser Welt. Ich freue mich, dass dieses Thema dich interessiert, beispielsweise das Dritte Reich, während dessen ich ja noch geboren wurde. Es ist wichtig, dass wir die Augen in alle Richtungen offen halten, beispielsweise um zu verhindern, dass Neonazis oder andere wieder Terror, Not und Leid über die Menschen bringen. Aber auch vor anderem Unrecht und anderem Elend dieser Welt dürfen wir unsere Augen nicht verschließen.

In wenigen Monaten wirst du konfirmiert. Höchste Zeit, ein Vermächtnis deines Urgroßvaters und Ururgroßvaters, eben diese „Geschichte“ an dich weiterzugeben – ein Gelübde meinen Enkeln gegenüber, das ich längst getan habe, bevor der erste von euch auch nur geplant war.

Der Titel meiner „Geschichte“ lautet:

Warum gibt es so viel Armut auf der Welt?

Wusstest du, Christopher, dass jeder fünfte deutsche Haushalt unterhalb der Armutsgrenze leben muss? Wusstest du, dass jährlich 30 Millionen Menschen verhungern und Hunderte von Millionen an den Folgen von Krankheiten, Epidemien und Mangelerscheinungen sterben? Wer das weiß, der dürfte eigentlich nicht mehr schlafen können angesichts der Frage: Was kann man dagegen tun?

Man kann spenden, Christopher, und es gibt großartige Organisationen wie das Rote Kreuz, Brot für die Welt, Misereor, UNICEF und wie sie alle heißen. Sie lindern viel Not. Wenn man sie aber nach dem Erfolg ihrer Arbeit fragt, bekommt man oft die Antwort: Es sind Tropfen auf heiße Steine.

Symptom- und Ursachenbekämpfung

Stell dir einen schrecklichen Brand vor. In einem Industriegelände steht alles lichterloh in Flammen. Die Feuerwehr ist da und löscht aus allen verfügbaren Rohren. An manchen Stellen werden die Flammen auch geringer, aber dafür brennt es an anderer Stelle umso mehr, und was gelöscht schien, entzündet sich bald von neuem. Einer geht hinter das Industriegelände und stellt fest: Hier verläuft eine geborstene Ölpipeline, aus der sich immer neuer Brennstoff in das Flammeninferno ergießt. Was lernen wir daraus? Es genügt nicht, die Symptome zu bekämpfen, man muss die Ursachen erkennen und abstellen.

Zurück zur Armut in der Welt – ein riesiger „Brandherd“, in dem fortlaufend Menschen leiden und umkommen. Wie soll man den je löschen? Das ist ja sicher ungeheuer kompliziert und schwierig!

Die Lösung ist einfach

Vieles scheint äußerst kompliziert und schwierig und ist doch in Wahrheit ganz einfach. Sicher kennst du das berühmte „Ei des Kolumbus“. Der Entdecker Amerikas soll bei einem Gastmahl ein Ei genommen und die übrigen Gäste gefragt haben, wer es auf einem der beiden Enden zum Stehen bringen könne. Als dies keinem gelang, nahm Kolumbus das Ei und drückte es durch Aufschlagen an einem Ende ein, so dass es stand.

Der spätere beste Freund deines Ururgroßvaters Georg Blumenthal erlebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Argentinien, wo er ein Geschäft besaß, den Unterschied zwischen Reichtum im Überfluss und bitterster Armut besonders krass. Hatten die Reichen ihre Schätze hart erarbeitet und die Armen ihren Mangel durch Faulheit selbst verschuldet? Sicher nicht. Silvio Gesell, so hieß der Freund deines Ururgroßvaters, ließ die Frage nicht los. Und er ließ sich nicht von vorgeblichen „Fachleuten“ ins Bockshorn jagen, sondern dachte selbst nach und stieß auf eine Lösung, die wahrhaftig so einfach war wie das Ei des Kolumbus.

Angenommen, wir beide haben tausend Euro zur Verfügung. Davon machen wir einen Großeinkauf. Wir kaufen Brot, Obst und Gemüse, natürlich auch Kuchen und Schokolade. Aber auch wertvollere Dinge wie die neueste Computersoftware oder Kleidung. Wir ver- und gebrauchen die gekauften Waren aber nicht, sondern lassen sie ein Jahr lang im Keller liegen. Nach einem Jahr gehen wir wieder in den Keller und schauen nach unserem Einkauf. Was stinkt denn da so? Brot, Obst, Gemüse, Kuchen und Schokolade sind längst verfault und riechen abscheulich, die Computersoftware ist inzwischen veraltet und die Kleidung ist keines­wegs mehr neuester Schrei.

Machen wir es also anders: Wir nehmen die tausend Euro, gehen zur Bank, eröffnen ein Sparkonto und zahlen den Betrag darauf ein. Nach einem Jahr gehen wir wieder zur Bank und heben unser Geld wieder ab. Zu unserer Freude erhalten wir nicht nur die eingezahlten tausend Euro in voller Höhe und völlig unbeschädigt zurück, sondern sagen wir 1.020 Euro ausbezahlt – also einen zusätzlichen „Zinsertrag“.

Wieder die Frage: Was lernen wir daraus? Es ist, wie versprochen, einfach wie das Ei des Kolumbus. Geld wurde als Tauschmittel eingeführt, weil es den Menschen zu mühsam wurde, Getreide und Kühe und Arbeitsleistungen direkt gegeneinander zu tauschen. Ein Sack Getreide = soundsoviel Heller, eine Kuh = soundsoviel Batzen – mit dem Erlös konnte (und kann man noch) bequem irgendwo und irgendwas kaufen und musste mit seinem Getreide nicht solange warten, bis einem ein Bauer über den Weg lief, der gerade die gewünschte Kuh anbot.

War und ist aber das Geld ein echtes Tauschmittel? Wie wir an unserem gemeinsamen Großeinkauf gelernt haben: nein. Das Getreide verdarb nach einiger Zeit, die Kuh wurde alt und krank, Heller und Batzen aber behielten ihren Wert. Und nicht nur das: Gewitzigte kamen bald dar­auf, dass man Geld, sofern man genügend davon hatte, denen, die gerade blank waren und sich welches leihen mussten, gegen einen gehörigen Aufschlag borgen konnte.

Kurz zurück zu unserem Beispiel: Gehen wir diesmal davon aus, dass wir für den Kauf dringend benötigter Waren überhaupt kein Geld haben! Auch in diesem Fall gehen wir zur Bank, müssen den Mann oder die Frau am Schalter davon überzeugen, dass wir die tausend Euro sicher zurückzahlen können und bekommen sie dann. Aber dann haben wir binnen eines Jahres nicht tausend und auch nicht 1.020 Euro, sondern sicher vielleicht 1.100 Euro zurückzuzahlen! Derjenige, der die 100 Euro einstreicht, spricht ebenso stolz wie dumm davon, er habe „sein Geld für sich arbeiten lassen“. Pustekuchen! Jeden Cent davon mussten wir beide erarbeiten!

Silvio Gesell

Silvio Gesell hat diese Ungerechtigkeit, das Ausnützen von Notlagen durch das „unechte“ Tauschmittel Geld, auf den Punkt gebracht und Lösungsvorschläge für die Umwandlung des Geldes in ein wirkliches Tauschmittel, das nicht zur Ausbeutung missbraucht werden kann, erarbeitet. Dass Zinsnehmen ungerecht ist, kann man schon in der Bibel nachlesen, katholische und evangelische Kirchenmänner (darunter Martin Luther) verurteilten es aufs Schärfste und zeitweise standen schwere Strafen darauf. In der letzten Zeit geriet das in Vergessenheit – und kaum je klaffte die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinander wie heute.

Als weitere Möglichkeit, andere Menschen auszunützen, erkannte Silvio Gesell den Grundbesitz. Wo möchtest du lieber ein Grundstück haben, zumal wenn du es nicht selbst bewohnst, sondern vermietest: Im kleinen Dörfchen Ebrach weit draußen auf dem Lande, wo du jetzt lebst, oder am Münchner Stachus? Mit einem Grundbesitz am Stachus kannst du monatlich Tausende und Abertausende von Euro abkassieren, dich auf den Bahamas an den Strand legen und die Arbeit auf Lebzeiten vergessen. Schön, gell? Schade nur, dass wir beide kein Grundstück am Stachus und nicht mal ein bescheidenes Mietshaus für zwei Dutzend Mietparteien unser eigen nennen. Vermutlich wirst du zumindest die erste Zeit deines Lebens tüchtig an einen Vermieter blechen müssen, der viel, viel mehr von seinen Mietern abkassiert, als er in die Mietskaserne investiert hat. Die Luft gehört allen Menschen, das Wasser überwiegend auch noch, aber die Erde – ebenso ein Geschenk Gottes an die Menschen – teilen sich die Reichen und Superreichen, während die meisten viel berappen müssen, um darauf wohnen oder hausen zu dürfen. Komisch, gell? Das dachte sich auch Silvio Gesell.

Leistungsloses Einkommen verursacht Armut

Warum also gibt es soviel Armut auf der Welt? Weil einige wenige sich unter den Nagel reißen, was ihnen nicht gehört. Nur sind sie im Gegensatz zu anderen Ganoven in den meisten Fällen sorgfältig durch Gesetze geschützt. Stell dir vor: Die eine Hälfte des Weltvermögens gehört fünf Prozent der Weltbevölkerung, während die restlichen 95 Prozent sich mit der anderen Hälfte begnügen müssen. Und das nur, weil die fünf Prozent sich ein paar wesentliche Ungerechtigkeiten unseres Geld- und Bodensystems zunutze machen.

Du hältst die 100 Euro, die wir als „Strafe“ für unseren Kredit zahlen mussten, für viel, kannst dir aber nicht vorstellen, dass sie der Grund für die Armut der Welt sind? Stell dir vor, jemand hätte genau zur Zeit von Jesu Geburt nur einen einzigen Pfennig zu 5 % – ein im Verlauf der Zeit realistischer Zinssatz – angelegt. Wie viel könnte er wohl heute von seinem Konto abheben? Zehn Pfennige? Eine Mark? Zehn Mark? Hundert oder tausend Mark? Im Jahr 1990 wäre sein Guthaben durch Zins und Zinseszins (den Zins auf das wieder angelegte Geld einschließlich des Zinsertrags) bereits auf ein Vermögen im Wert von 134 Milliarden goldener Erdkugeln angestiegen – und das, ohne dass der Anleger dafür hätte einen Finger krumm machen müssen!

Ahnst du, wie viel Macht jemand ausüben kann, der mehr Geld hat, als er selbst benötigt? Und weißt du, dass du, selbst wenn du keinen Cent Schulden hast, ständig Zinsen zahlst? Jeder Geschäftsmann, der uns etwas verkauft, legt die Zinsen die er zahlen muss, natürlich auf den Preis um, den wir bezahlen müssen. Kannst du dir denken, weshalb mir gerade das Sprichwort „Den letzten beißen die Hunde“ einfällt?

Silvio Gesell hatte im Wesentlichen zwei Ideen, das ungerechte Wirtschaftssystem gerecht zu machen: Er „erfand“ ein Geld, das wie die Ware allmählich an Wert verliert, wenn man es nicht zinslos verleiht. Das zu bewerkstelligen ist heute sicher viel einfacher als zu Gesells Zeiten. Und er wollte, dass der Boden nicht mehr gekauft, sondern nur noch dem persönlichen Bedarf entsprechend verpachtet werden könnte. Er nannte dieses System „natürliche Wirtschaftsordnung“ oder „Freiwirtschaft“. Dein Ururgroßvater Georg Blumenthal gründete den Zusammenschluss von Anhängern Gesells, die „Freiwirtschaftsbewegung“.

Was würden wir beide eigentlich tun, wenn wir unsere tausend Euro in Gesells so genanntem „rostendem“, also langsam aber sicher wie Ware an Wert verlierendem Geld besäßen? Nun, sicher würden wir es nicht lange liegen lassen. Könnten wir heute noch für tausend Euro einkaufen, so wären es in einem halben Jahr vielleicht noch 950 Euro. Wir würden unser Geld also möglichst rasch in Waren umsetzen oder auch zur Tilgung von Schulden oder zur Begleichung von Steuern verwenden und es damit wieder in den Wirtschaftskreislauf einspeisen.

Uns geht es so gut, dass wir die tausend Euro momentan gar nicht brauchen? Dann würden wir es wie im zweiten Beispiel auch zur Bank tragen, damit ebenfalls dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung stellen, und nach beispielsweise einem Jahr, wenn wir das Geld brauchen, könnten wir es wieder abheben. Wir bekämen 1.000,00 Euro ausbezahlt – keinen Cent mehr und keinen Cent weniger.

Das Wunder von Wörgl

Du bist skeptisch, dass das funktioniert? Du erinnerst dich vielleicht: Letzten Sommer kamen wir bei einem Tagesausflug unserer ganzen Familie nach Tirol auch durch den Ort Wörgl. Im Jahr 1932 war Wörgl eine bitterarme Gemeinde. Der damalige Bürgermeister, Michael Unterguggenberger, hatte von Silvio Gesells „Freigeld“ gehört. Nachdem wer nichts mehr hat auch nichts mehr verlieren kann, wagte er es, Gesells „rostendes Geld“ in leicht veränderter Form einzuführen. Danach geschah, was man bald „Das Wunder von Wörgl“ nannte. Jeder war daran interessiert, sein Geld entweder baldmöglichst auszugeben oder es als verlust- (und gewinn-)freies Darlehen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Binnen eines Jahres wurde aus dem verarmten ein wohlhabendes Wörgl. Dann aber wurde den Behörden das „Freigeld“ unheimlich. Das „Freigeld“ von Wörgl, das weltweit Aufsehen und Interesse geweckt hatte, wurde verboten. Auf der Homepage von Wörgl kannst du mehr über damals lesen. In Kanada gibt es zurzeit einen ähnlichen und erfolgreichen Versuch.

Was, schließlich, würden wir tun, wenn wir Grundstücke nicht kaufen, sondern nur für den Eigenbedarf pachten könnten? Wir würden uns eines aussuchen, das uns gefällt, das wir uns leisten könnten, und uns ein Haus darauf bauen, das unseren Ansprüchen entspricht. Und es wäre sicher ein gutes Gefühl, dass unsere Pacht weder Immobilienhaien noch Mietwucherern in den Rachen fällt, sondern der Allgemeinheit zugute kommt.

Die Lösung wird verhindert

Falls ich dich davon überzeugen konnte, dass unser Geld- und Bodenrecht die Ursache für die Armut in der Welt ist, wirst du mich fragen: Warum wurde es nicht schon längst im Sinne Silvio Gesells umgesetzt? Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Erstens sind diejenigen, die unrechtmäßig unendlich viel Geld besitzen, sehr mächtig. Sie tun alles, um sich ihre bequemen Einkünfte zu erhalten. Zweitens gibt es die „Fachleute“, die Wirtschaftspolitik studiert haben. Sie sagen: „Wir haben das Geld- und Bodensystem ja studiert. Ein einfacher Kaufmann will uns belehren? Lächerlich.“ – Du weißt sicher, dass Ketzer, also Abweichler von herkömmlichen Lehren, früher oft mit ihrem Leben bezahlen mussten. Heute werden sie totgeschwiegen. Drittens gibt es einige wenige aber ziemlich einflussreiche Leute, die Silvio Gesell beschuldigen, er sei Antisemit gewesen, also ein Judengegner, so eine Art Nazi. Dass Gesell beispielsweise sagte: „Die Judenhetze ist eine kolossale Ungerechtigkeit“ beeindruckt diese Leute nicht. Und weil Antisemitismus ein schweres Vergehen ist, beschäftigen sich viele, die das hören, nicht weiter mit Silvio Gesell. Viertens sind die Freiwirtschaftler, also die Anhänger Gesells, nicht unschuldig daran, dass seine Lehre noch nicht weiter verbreitet ist. Statt alle gemeinsam an der Verwirklichung der großen Idee zu arbeiten, streiten sie sich über Kleinigkeiten und zersplittern ihre kleine Gruppe in viele winzige Grüppchen.

Wird eine Idee dadurch wertlos, dass sie viele Gegner und wenige Anhänger hat? Mit Sicherheit nicht. Dein Urgroßvater, mein Vater Arthur Rapp beispielsweise stellte sein ganzes Leben in den Dienst der Freiwirtschaft. Er hat ihr nicht zum Durchbruch verholfen, aber er hat die Idee am Leben gehalten. Nach seinem Tod bin ich in seine Fußstapfen getreten und engagiere mich für die Verbreitung – in Gesprächen, Veranstaltungen, im Internet. Die erste Online-Präsentation der Natürlichen Wirtschaftsordnung beispielsweise habe ich realisiert, und die – leider nur sehr langsam voranschreitende – Idee einer CD-ROM mit Gesells Gesammelten Werken stammt von mir. Keine großen Taten, aber Schritte hin zum Ziel.

Nun hast du die Antwort auf die Frage, warum es so viel Armut auf der Welt gibt. Nun weißt du, wovon die Rede ist, wenn von „Freiwirtschaft“ oder „natürlicher Wirtschaftsordnung“ die Rede ist. Nun kennst du Silvio Gesells Lehre, die, davon sind seine Anhänger überzeugt, die Armut auf der Welt beseitigen könnte. Nun weißt du, woran dein Ururgroßvater, dein Urgroßvater und dein Großvater, also ich, arbeiteten und arbeiten.

Du hast noch fast dein ganzes Leben vor dir. Vergiss nicht, dass wir eine große Verantwortung für alle tragen, denen es viel schlechter geht als uns selbst. Und vergiss nicht, dass es ein Rezept dagegen gibt. Prüfe es sorgfältig. Und wenn du es für richtig hältst, ziehe Konsequenzen daraus. Du wirst längst nicht immer auf Sympathie oder gar Begeisterung stoßen. Aber Martin Luther beispielsweise hatte auch mächtige Gegner, als er seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg nagelte. Die Geschichte gab ihm Recht. Ich bin fest davon überzeugt, dass Silvio Gesells Idee und Lehre sich eines Tages durchsetzen wird, und dass das eine größere Befreiung der Menschheit sein wird als die vom Missbrauch der christlichen Kirche oder die Abschaffung der Sklaverei und der Todesstrafe in den zivilisierten Ländern. Der Weg dorthin ist lang und steinig. Aber es lohnt sich, ihn mitzugehen.

Dein Großvater – „Öhi“ – Anselm Rapp

Anmerkung: Diesen Brief habe ich ursprünglich wirklich nur an meinen Enkel Christopher geschrieben. Er wurde dann aber – leicht gekürzt und überarbeitet – in der Ausgabe Mai/Juni 2004 der freiwirtschaftlichen Zeitschrift HUMANWIRTSCHAFT (inzwischen HUMANE WIRTSCHAFT) abgedruckt (Druckversion, PDF) sowie im Juni 2005 im Internetauftritt "Politik-Poker", in dem prominente Autoren unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Herkunft schreiben, veröffentlicht (Internetversion).

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